Ein Ort der Fürsorge seit dem Mittelalter
Die Blumenau ist eine der ältesten Vorstädte Kronstadts. Aussätzige sind in der Stadt seit 1413 belegt, 1463 wird erstmals ein „Leprosorium“ erwähnt: ein Siechenhof vor den Mauern, auf dem Grund der heutigen Blumenauer Kirche, mit einer gotischen Kapelle, die der heiligen Barbara geweiht war. Die Gasse, die dorthin führte, hieß im Volksmund noch im 19. Jahrhundert „Seichesgasse“.
Im 18. Jahrhundert war der Siechenhof verfallen. An Stelle der Barbarakapelle entstand 1776–1778 die evangelische Kirche der Blumenau, die heute gleich neben dem Altenheim steht.
Das Altfrauenheim der Honterusgemeinde
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erwarb die Honterusgemeinde – die evangelische Stadtpfarrgemeinde – das Grundstück neben der Blumenauer Kirche und richtete hier ein Altfrauenheim ein: zunächst für neun, später für mehr als 25 alleinstehende Frauen. Die Plätze wurden teils als Pfründe vergeben, teils gegen Bezahlung; die laufenden Kosten trugen die Mieten zweier Häuser der Gemeinde. 1938 wurde der vordere Teil des Hauses neu gebaut. Über seinem Eingang zeigt ein Steinrelief ein junges Paar, das die alte Mutter stützt – der „Generationenvertrag“ in Stein, ein Bild, das bis heute zum Haus passt (mehr zum Relief).
Im August 1944 mussten die Bewohnerinnen das Haus verlassen. Es wurde nicht enteignet, aber von der Stadt verwaltet. Erst 1990 bekam die Honterusgemeinde es zurück.
Neubeginn: das Altenheim seit 2002
Nach 1990 war zunächst ein großes, von der Bundesrepublik Deutschland finanziertes Heim geplant. Als diese Förderung 1999 endgültig ausblieb, gingen Honterusgemeinde, Kirchenbezirk und Deutsches Forum einen eigenen, bescheideneren Weg: Im Juni 2000 gründeten sie den Trägerverein Blumenau, erster Vorsitzender war Erwin Hellmann. Mit eigenen Mitteln der Honterusgemeinde und mit großen Spenden – allen voran der Stiftung Propter Homines aus Liechtenstein – wurde das Haus umgebaut und am 22. April 2001 eingeweiht. Im Herbst 2002 zogen die ersten Bewohnerinnen und Bewohner ein.
- 2004 – Festsaal mit eigener Küche und Zimmer für Kurzzeitpflege im Hinterhaus
- 2006 – Umbau des Erdgeschosses im Hauptflügel: neue Zimmer, Behandlungsraum, Speise- und Tagesraum
- 2010 – „Betreutes Wohnen“ im ehemaligen Pfarrhaus nebenan
- 2014 – Akkreditierung des Vereins als Anbieter sozialer Dienste
- 2017–2026 – Betriebslizenzen des Arbeitsministeriums, zuletzt erneuert im März 2026
- 2025/26 – Abschied von Ortwin und Erwin Hellmann; neuer Vorstand und neue Heimleitung
Notiz für den Vorstand
Zu prüfen: Baujahr des Vorderbaus (1938 laut Erwin Hellmann 2004 und Relief, 1930 laut Ortwin Hellmann); genaues Einzugsdatum 2002. Quellen: research/content-brief.md, Abschnitt 1a/1b.