Wer das Altenheim Blumenau durch den Haupteingang betritt, geht unter drei steinernen Figuren hindurch. Sie sind das Zeichen des Hauses – auf dieser Website und über der Tür in der Strada Iuliu Maniu 35.
Was das Relief zeigt
Drei Figuren stehen dicht beieinander in einer flachen Nische, deren gerillter Rahmen wie Mauerwerk wirkt. Links ein junger Mann in Arbeitskleidung, die Ärmel aufgekrempelt, die Hände zu Fäusten geschlossen, den Blick nach vorn. In der Mitte, einen halben Schritt zurück, eine alte Frau mit Kopftuch und Umhang, die rechte Hand vor der Brust. Rechts eine junge Frau im schlichten Kleid: Mit der einen Hand hält sie die Hand der Alten, den anderen Arm hat sie ihr um die Schulter gelegt.
Erwin Hellmann, Gründungsvorsitzender des Trägervereins, hat das Bild 2004 im Gemeindebrief der Honterusgemeinde so beschrieben: „Relief über dem Eingang aus dem Jahre 1938, das sinnbildlich den ‚Generationenvertrag‘ darstellt: Ein junges Paar stützt die alte Mutter.“ Die Jungen arbeiten und tragen, die Alte wird gehalten – und steht doch aufrecht in der Mitte. Es ist das Programm des Hauses in einem Bild: Das Altfrauenheim von 1938 hat die Gemeinde für ihre Alten gebaut, und das Altenheim von heute lebt von denen, die mittragen.
Das Haus, zu dem es gehört
Das Relief sitzt über dem Eingang des Vorderhauses zur Straße. Dieser Teil des Altfrauenheims wurde 1938 abgerissen und durch den heutigen Bau ersetzt – für seine Zeit modern: Bad und WC auf jeder Etage und eine Zentralheizung, die bis zum Umbau im Jahr 2000 lief. Da Kronstadt erst 1942 ans Erdgasnetz kam, wurde zunächst mit Öl geheizt; die Heizkörper von damals taten 2004 noch ihren Dienst.
Das Altfrauenheim selbst war älter. Die Honterusgemeinde hatte es nach der Mitte des 19. Jahrhunderts neben der Blumenauer Kirche eingerichtet – auf einem Grundstück, das die Stadt ihr im Tausch gegen den Goldschmiedzwinger überlassen hatte. Zuerst fanden hier neun, später mehr als 25 bedürftige Frauen der Gemeinde ein Zuhause; die Mieten zweier Geschäftshäuser der Gemeinde sollten die Kosten decken, bis die Inflation nach 1918 diese Rechnung zunichtemachte. Um 1900 wurde das Haus erweitert, ein „Altmännerheim“ blieb Plan. Nach einer anderen Überlieferung entstand der Bau Anfang der 1930er-Jahre, vor allem für Witwen des Ersten Weltkriegs; wir halten uns an die Jahreszahl 1938, die Erwin Hellmann für Bau und Relief nennt.
Im August 1944 mussten alle Bewohnerinnen das Haus verlassen. Es wurde nicht enteignet, aber von der Stadt verwaltet – und das Relief blieb, wo es war. 1990 kam das Haus an die Honterusgemeinde zurück, im Herbst 2002 zogen die ersten Bewohnerinnen und Bewohner des Altenheims ein. Mehr zur Geschichte.
Wer es geschaffen hat – eine offene Frage
Den Namen des Bildhauers nennen die Quellen, die wir kennen, nicht – weder der Gemeindebrief der Honterusgemeinde noch die Presse der letzten Jahrzehnte. Auch zum Architekten des Baus von 1938 fehlt uns der Beleg. Die Antwort liegt vermutlich im Archiv der Honterusgemeinde oder in der Kronstädter Zeitung des Jahres 1938.
Wer etwas weiß – aus Familienerinnerungen, alten Fotos oder Unterlagen –, dem sind wir dankbar: Kontakt.
Quellen
- Erwin Hellmann: Vom Leprosorum zum Altenheim. In: Lebensräume in der Honterusgemeinde, Nr. 2 (2004), S. 19–20 – mit dem Foto des Reliefs und seiner Deutung. PDF auf honterusgemeinde.ro
- Erwin Hellmann: Menschliches Planen und Vorsorgen kann auch illusorisch sein. Karpatenrundschau, 23. August 2012 – zur Finanzierung des Altfrauenheims. adz.news
- Dieter Drotleff: Staatliche Akkreditierung mit maximaler Punktezahl. Interview mit Ortwin Hellmann, ADZ, 29. Mai 2019 – mit der Überlieferung „Anfang 1930, vor allem für Witwen des Ersten Weltkriegs“. adz.news
- Noch einmal zum Thema Altenheim Blumenau. Neue Kronstädter Zeitung, 15. Dezember 2000 – zur Baugeschichte vor dem Umbau. PDF auf kronstadt-burzenland.de
Notiz für den Vorstand
Recherche 14.10.2026: Bildhauer und Architekt sind in keiner zugänglichen Quelle genannt (geprüft: Lebensräume Nr. 2, ADZ/Karpatenrundschau, SbZ, NKrZ 2000, Literatur zu Margarete Depner – ihre „Drei Generationen“ sind ein Gemälde, kein Beleg). Bitte prüfen: Presbyterialprotokolle 1937/38 im Pfarrarchiv, Kronstädter Zeitung 1938 (digitalisiert bei difmoe.eu). Trägt das Relief eine Jahreszahl oder Signatur? Und: ein neues Foto, gerade von vorn, bei weichem Licht und in hoher Auflösung – das jetzige stammt von der alten Website (1228 px); ein Foto der Fassade mit dem Relief über der Tür fehlt ganz.